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Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

15. Dezember 2015

von Sarah Falkenberg

 

Klassik für die Kleinen kommt an

Gelungene Premiere für die kindgerechte Fassung von Bachs Weihnachtsoratorium

in der Wedeler St.-Marien-Kirche

 

Wedel | So etwas gibt es in Konzerten nicht oft: Das Publikum wurde aufgefordert mitzusummen und zu tanzen. Eine schöne Idee, in diesem Fall, um Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auch Kindern nahe zu bringen. Immerhin war die St.-Marien-Kirche zu etwa drei Viertel mit aufgeregtem Nachwuchs und dessen erwachsenen Begleitern gefüllt.

 

Kammerchor und Kammerorchester Wedel unter der Leitung von Valeri Krivoborodov hatten zu einer ganz speziellen einstündigen, gekürzten Fassung von Bachs Meisterwerk eingeladen. Darin waren keine Arien und Rezitative zu hören, sondern nur Chöre des Oratoriums, die von den rund 60 Sängern des Kammerchors klanggewaltig und strahlend geschmettert wurden. Dazu erzählte Monika Enticknap die Weihnachtsgeschichte. Die Schauspielerin vom Theater Wedel schilderte auch, wie es bei der Uraufführung des Oratoriums vor 281 Jahren gewesen sein könnte. So seien die Knaben des Leipziger Thomanerchors sicherlich total aufgeregt gewesen. „Die hatten bestimmt ein Kribbeln im Bauch“, mutmaßte Enticknap. Das schienen die kleinen Zuhörer nachempfinden zu können, denn viele nickten verständnisvoll. Auch sei es damals ziemlich finster gewesen, denn es habe ja nur Kerzen gegeben und kein elektrisches Licht. Begeistertes Gelächter erntete Krivoborodov, als er eine weißgelockte Haarpracht aufsetzte, denn früher hätten, so Enticknap, viele Menschen Perücken getragen.

 

Krivoborodov dirigierte gewohnt temperamentvoll und dynamisch, so dass schon der Anfang zu einem wirklichen Klangfeuerwerk mit Pauken und Trompeten wurde. Der Geiger Stefan Czermak hatte, wie nicht anders zu erwarten, die Stücke mit dem Orchester hervorragend einstudiert.

 

Die Mischung aus lockerer Erzählung und den jubilierenden Klängen von Bachs wunderbarer Musik sorgte dafür, dass die Kinder dem Geschehen auf der Bühne aufmerksam folgten. Enticknap stellte die einzelnen Instrumente vor, beschrieb deren Klang und erklärte, welche Rolle sie in Bachs Musik spielen. „Alle mal zuhören“, forderte sie die jungen Gäste auf, die dann auch brav lauschten. „Bach setzt immer noch eins drauf, jetzt kommen die Trompeten und Geigen!“ Und: „Hört mal, das Fagott ist das tiefste Instrument, und wie das Cembalo zirpt.“

Obwohl das ein oder andere Kleinkind zwischendurch unruhig wurde, blieb das junge Publikum großteils erstaunlich ruhig und konzentriert. Dazu trug sicherlich bei, dass die Kinder an manchen Stellen mitsummen und am Platz mittanzen durften. Der Plan, Kinder locker und lebendig an klassische Musik heranführen, hat also funktioniert.

 

Stefan Czermak (vorn, v. l.), Valerie Krivoborodov und Monika Enticknap freuten sich mit dem Ensemble über anhaltenden Beifall. Foto: Falkenberg

 


   

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

16. November 2015

von Karl-Heinz Stolzenberg

 

Von Lebenslust und Finsternis

Kammerchor und Kammerorchester spielen Carl Orffs „Carmina Burana“ vor einer ausverkauften Wedeler Steinberghalle. 

 

Wedel | Es war ein Konzertabend der Superlative. Carl Orffs Carmina Burana lockte Musikfreunde in so großen Scharen in die Steinberghalle, dass Sitzplätze schon eine halbe Stunde vor Beginn knapp wurden. Parkplätze in der näheren Umgebung gab es da schon lange nicht mehr. So wirkten manche Besucher doch leicht gestresst, während sie noch Sitzgelegenheiten suchten. Umso reichlicher war die Belohnung durch das anschließende Musikerlebnis. Enorm groß auch die Schar von Mitwirkenden an dem aufwendigen Werk: Kammerchor und Kammerorchester Wedel unter Leitung von Valeri Kribodorodov, Elbtonal Percussion, Bläser der Hamburger Symphoniker, das Uetersener Collegium Gaudium, der Liberi-Chor des Christianeums, und Darlene Ann Dobisch (Sopran), Piet Zorn (Tenor), und Christian Oldenburg (Bariton) als Solisten. Für alle gab es begeisterten Beifall. Den dramatischen Auftakt lieferten die vier treffsicheren Elbtonal-Schlagwerker. Wer hätte geglaubt, dass man mit einem solchen Instrumentarium, diesem Klang-Massiv aus Trommeln, Becken, Gongs und einem riesigen Xylophon, so zarte Töne hervorbringen kann. Hingerissen lauschte das Publikum der Percussion-Gruppe. Es war als halte der Saal den Atem an. So blieb es nicht lang. Dann zeigte die mitreißende Dynamik der Hamburger, welche Kraft in ihnen steckt. Das Tempo mit dem der Xylophon-Spieler die Schlägel wechselte, grenzte an Zauberei. Für Monika Thöm war es die „opulente Vorspeise“ des musikalischen Konzert-Menus. Ihren Dank an die Musiker verband die Vorsitzende des Fördervereins von Kammerchor und Kammerorchester angesichts der Anschläge von Paris mit nachdenklichen Worten über Orffs Meisterwerk. 

 

„Lieder aus Benediktbeuren“

Es werde leicht übersehen, dass die von Orff so genial vertonten mittelalterlichen „Lieder aus Benediktbeuren“ nicht nur unbekümmerte Lebenslust, Liebesglück und Trinkgelage besingen. Bereits die erste der insgesamt 25 Nummern sei im Grunde ein Klagegesang über die trügerische Oberflächlichkeit des Glücks, die Ungewissheit des Schicksals, machte Thöm deutlich. Der Klagegesang über Fortuna, die launenhafte Herrscherin der Welt, war zwei Mal zu hören, denn er eröffnet und beschließt Orffs Werk. Allerdings war er nicht der Abschluss des Abends, denn das Publikum ertrotzte sich mit anhaltendem Beifall eine furiose Zugabe.

 

Mit Beifall überhäuft: Kammerchor und Kammerorchester Wedel, der Liberi-Chor des Christianeums, das Uetersener Collegium Gaudium, Bläser der Hamburger Symphoniker, die Elbtonal Percussion und die Solisten Piet Zorn (Tenor, vorne v. l.), Darlene Ann Dobisch (Sopran), und Christian Oldenburg (Bariton). Foto: Stolzenberg

 


   

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Juni 2015

von juw

 

Kammerorchester Wedel spielt Joseph Haydn

 

Valeri Krivoborodov bewies sein Weltklasse-Niveau als Cellist. Foto: juw

 

Der 1732 geborene Komponist gehört wie Mozart und Beethoven zu den Vertretern der Wiener Klassik, die sich durch eine spezielle, lebendige Kompositionsweise auszeichnet.

 

Wedel | Das Konzert „Haydn am Nachmittag“ hatte bei herrlichem Sommerwetter etwa 140 Zuhörer in den Ernst-Barlach-Saal gelockt. Auf dem Programm des Wedeler Kammerorchesters unter der Leitung von Stefan Czermak und Valeri Krivoborodov standen drei Konzerte von Joseph Haydn. Der 1732 geborene Komponist gehört wie Mozart und Beethoven zu den Vertretern der Wiener Klassik, die sich durch eine spezielle, lebendige Kompositionsweise auszeichnet. Und so boten die 14 Streicher des Wedeler Kammerorchesters, die von acht Musikern der Hamburger Symphoniker unterstützt wurden, auch ein sehr abwechslungsreiches Programm. Wobei die anspruchsvollen Stücke für ein Laienorchester durchaus eine Herausforderung darstellten, die souverän bestanden wurde.

 

Für einen besonderen musikalischen Genuss sorgten die beiden Profi-Musiker Czermak und Krivoborodov mit ihren Soli. Den Anfang machte Czermak mit dem Konzert für Violine und Orchester G-Dur. Hochkonzentriert, mit wunderschönen Legato-Bögen spielte der aus dem jetzigen Polen stammende Geiger das Adagio. Um dem Spiel seines Kollegen genügend Raum zu lassen, nahm der dirigierende Krivoborodov das Orchester dabei dezent zurück. Während des gesamten Konzerts verständigten sich die beiden Solisten mit kurzen Blicken, man merkte ihnen die langjährige Zusammenarbeit und den gegenseitigen Respekt an.

 

Absoluter Höhepunkt des musikalischen Nachmittags war das Solo von Krivoborodov. Genial interpretierte der gebürtige Russe das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur. Mit geschlossenen Augen und bewegter Mimik spielte der Weltklasse-Musiker völlig frei aus seinem tiefsten Innern heraus. Der Cellist erzählte Geschichten voller Dramatik und Zartheit, gewährte einen Blick in seine Seele. So entstanden enorm intime Momente, eine Ehre, daran teilhaben zu dürfen. Krivoborodov machte bereits in jungen Jahren als Solocellist des Moskauer Kammerorchesters eine internationale Karriere, spielte mit David Oistrach, Yehudi Menuhin und Dimitri Schostakowitsch. Nach seiner Emigration 1980 war der Musiker bis zu seiner Pensionierung Erster Cellist bei den Hamburger Symphonikern. Seit 2004 leitet Krivoborodov den Kammerchor Wedel, während Czermak für die Orchestereinstudierung zuständig ist.

 

Die Zuhörer honorierten die Leistung des Kammerorchesters und der beiden Solisten mit anhaltendem Applaus. Jeder sicherlich ein bisschen reicher im Herzen dank der anrührend in Klang verwandelten großen Gefühle. 

 


  

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

31. März 2015

von Sarah Falkenberg

 

Händels „Der Messias“ in der St.-Marien-Kirche

Kammerchor und Kammerorchester: Gefeierte Aufführung von Händels „Der Messias“ 

in der Wedeler St.-Marien-Kirche.

 

Wedel | Es war ein großer Genuss, in den die Zuhörer in der voll besetzten Wedeler St.-Marien-Kirche kamen. Denn Hoffnung, Freude und Demut entfalteten sich überzeugend in hervorragend dargebotener Musik: Valeri Krivoborodov dirigierte gewohnt leichtfüßig und energiegeladen Georg Friedrich Händels „Der Messias“.

Das flotte Tempo und die gleichzeitig zurückgenommene Interpretation verliehen dem Oratorium sowohl hoffnungsvolle Beschwingtheit als auch gläubige Tiefe. An seinem wohl bekanntesten Werk hatte der Barockkomponist im Jahr 1741 nur 24 Tage gearbeitet. Vielleicht der Grund, warum die Musik wie aus einem beflügelten Guss wirkt.

Inhaltlich wird im ersten Teil des dreiteiligen Oratoriums von der Prophezeiung und Verkündigung erzählt, der Rettung der Menschheit durch den von Gott gesandten Messias. Jubilierend intonierte der ausgezeichnet gestimmte Kammerchor: „Er kommt, dein Gott, die Herrlichkeit des Herrn ist über dir erschienen.“ Und begleitet von Krivoborodovs großen, animierenden Bewegungen begrüßte er den Heiland mit Verve: „Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst.“ Ein klangliches Strahlen erfüllte den Raum, als die Sopranistin Dorothee Fries sang „Erwach, frohlocke“. Hinreißend lebendig, perlend leicht. Liebevoll tröstend sang Karin Kunde mit ihrer warmen, vollen Altstimme anschließend die Arie „Er weidet seine Herde“.

Triumph des Christentums

Der zweite Teil beschreibt den Leidensweg, die Auferstehung und den Triumph des Christentums. „Halleluja, denn Gott, der Herr, regiert allmächtig“, schmetterte der Chor voller Inbrunst von Trompeten und kraftvollen Streichern begleitet. Joachim Duske verlieh den Tenorpartien eine bei aller kunstvollen Leichtigkeit mitfühlende Tiefe.

Die sichere Hoffnung bahnt sich ihren Weg im dritten Teil, der von der Wiederauferstehung und der Anbetung des Messias’ handelt. In der Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“, erhob sich erneut zauberhaft der klare Sopran von Fries in den Kirchenraum. Mit ihrer ruhigen Linienführung und lyrischen Wärme übertrug sich eine fast spürbare Zuversicht aufs Publikum. Ein perfekter, bewegender Moment.

Der sonore Bass von Keno Brandt kam besonders gut in der Arie „Sie schallt, die Posaun“ zur Geltung. Dem Chor war die Freude an den schönen Harmonien deutlich anzumerken. Die ausgezeichnete Orchestereinstudierung hatte wie gewohnt Stefan Czermak übernommen. Unterstützt wurden die Wedeler Kammermusiker von den bekräftigenden und triumphierenden Einwürfen der Bläser der Hamburger Symphoniker.

Wie schon vergangenes Jahr bei Haydns „Schöpfung“ war dem Konzert eine kurzweilige Einführung in Leben und Werk des Komponisten Georg Friedrich Händel vorausgegangen. Darin ordneten die Musikwissenschaftler Anke Schmitt und James Lask das Werk ins Zeitgeschehen ein und vermittelten den Zuhörern einen anschaulichen Eindruck des damaligen Alltags.

 

Kammerchor und Kammerorchester Wedel interpretierten wunderbar Händels „Messias". Foto: Falkenberg