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Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Dezember 2018

von Heinke Ballin

 

Weihnachtsoratorium

Klangvolle Traditionspflege in Wedel 

Musiker und Publikum feiern die Aufführung von Kammerchor und Kammerorchester Wedel.

 

Wedel | Eine der schönsten Traditionen in der Vorweihnachtszeit sind in Wedel die Aufführungen des Kammerorchesters und des Kammerchors in der katholischen Kirche St. Marien. Auch in diesem Jahr begeisterten die beiden Ensembles mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, eines seiner größten und am häufigsten gespielten Werke.

 

Solisten aus Hamburg

Das Sahnehäubchen sind in Wedel stets die hervorragenden Solisten, die sich Chor und Orchester von der Studiobühne der Hamburger Staatsoper ausleihen. Dieses Mal fielen die in Wedel schon bekannte und sehr geschätzte Mezzosopranistin Dorottya Land und auch der verehrte Bass Bruno Vargas wegen Krankheit aus. Vollwertiger Ersatz kam mit Nicole Dellabona, die die Alt-Partien übernahm, und mit Jóhann Kristinsson, der die Rezitationen und Arien der Bass-Partien bestens ausfüllte.

 

Große Besetzung für das Weihnachtsoratorium von Bach in der Kirche St. Marien: Kammerchor und Kammerorchester sowie vier Solisten lieferten eine großartige Leistung. Foto: Heinke Ballin

 

Publikum feiert Musiker

Was die Faszination des Bachschen Weihnachtsoratorium ausmacht, ist der Jubel über die Geburt Christi, den Bach so genial mit Streichern, Trompeten und Gesang in Töne fasst. Die Betonung, die er durch die etlichen Da Capo in den Arien wiederholt, zu höchsten Höhen steigern lässt. Und die Komposition aus Pracht und festlichem Glanz, besonders im zweiten Teil des Oratoriums, der einzigartigen Hirten- und Engelsmusik, wissen die Solosänger, das Kammerorchester und der Wedler Kammerchor das unter der liebevollen Leitung von Valeri Krivoborodov eins zu eins im Bachschen Sinne umzusetzen. Das spürten alle im restlos ausverkauften Gotteshaus, das sogar noch mit Klappstühlen aufgefüllt wurde. Die Zuschauer würdigten „ihre“ Wedeler Musiker im Anschluss mit anhaltendem Beifall und feierten diese regelrecht.

 


  

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

06. November 2018

von Heinke Ballin

 

Klassik mit Extra-Sahnehäubchen in Wedel

Donnernder Applaus für das Kinderkonzert mit „Eine musikalische Schlittenfahrt“ und „Peter und der Wolf“

 

Wedel | Klassik für Kinder – immer ein Wagnis, denn Kinder langweilen sich schnell, wenn sie still sitzen und zuhören müssen. Das Kammerorchester Wedel hat sich trotzdem daran gewagt und das mit großem Erfolg. Kinderkonzert für kleine und große Leute stand auf dem Programm. Der Inhalt: „Eine musikalische Schlittenfahrt“ von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus und „Peter und der Wolf“, die wunderschön musikalisch und erzählerisch umgesetzte Geschichte von Sergej Prokofjew.

 

Dass das Kammerorchester Wedel all seine Aufführungen mit ganz viel Herzblut füllt, wissen alle in Wedel. Hier aber im Ernst-Barlach-Saal bekamen beide Stücke noch einmal ein Extra-Sahnehäubchen, denn das Orchester unter der Leitung des Dirigenten Valeri Krivoborodov hatte geniale Modertoren eingesetzt, die den Kindern Instrumente und Inhalte nahe brachten. Besonders Irene Bier, Lehrerin im Ruhestand, löste ihren Part mit ganz viel Einfühlungsvermögen, erklärte jedes Instrument und weckte das Vorstellungsvermögen der Kinder, indem sie die einzelnen Parts der Schlittenfahrt vor dem geistigen Auge der Kinder entwarf: Die Anfahrt durch den Winternachmittag, die Pause im Gasthaus, die restliche Reise zum großen Fest, das Fest selbst und die flotte Rückfahrt in der Schneenacht.

 

Bertram Rohde, Cellist im Wedeler Kammerorchester, erklärt in der Pause einer interessierten kleinen Zuhörerin sein Instrument und sie darf es sogar ausprobieren. Foto: Heinke Ballin

 

Selbst in der Pause ließen die Mitglieder des Kammerorchesters sich geduldig von den Kindern mit Fragen bestürmen, manchen gelang es sogar, die Bühne im Saal zu erobern und mit Erlaubnis der Musikers Instrumente einmal auszuprobieren. Bessere Nachwuchswerbung für das Kammerorchester ist nicht denkbar.

Der zweite Moderator, Peter Knudsen, hatte es mit dem Vorlesen der Geschichte von dem wagemutigem Peter und dem armen Wolf, der sein Leben verliert, weil er eine Ente – und nicht einmal eine Großmutter – bei lebendigem Leibe verschluckt hat, da etwas einfacher.

Knudsen ist Mitsänger im Wedeler Kammerchor und wurde ganz demokratisch als Moderator „ausgeguckt“ weil er eine so schöne sonore Stimme hat und eben mit Vornamen Peter heißt, das sprach für die Musiker vor allen Dingen für die Auswahl. Zum Abschluss gab es donnernden Applaus für alle Akteure, aber auch für die Kinder, die sich als neue Klassikfans erwiesen und einige handytippende Mütter überhaupt nicht beachtet hatten.

 

Irene Bier erklärte die Instrumente und brachte ihren vielen Zuhörern nahe, was sie sich unter den einzelnen Abschnitten der „Schlittenfahrt“ vorstellen können. Foto: Heinke Ballin

 


 

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

18. September 2018

von Heinke Ballin

 

Mächtige Messe und Romanzen 

Kammerchor und Kammerorchester Wedel glänzen in der voll besetzten St.-Marien-Kirche

mit Werken von Ludwig van Beethoven

 

Wedel | Klassikfans in der Rolandstadt haben ihr Wochenende am frühen Sonntagabend mit einem echten

Ohrenschmaus beendet. Der Förderverein Kammerchor und Kammerorchester Wedel hatte in seiner Reihe

„Klassik am Nachmittag“ in die St.-Marien-Kirche geladen. Zu den Kirchbänken mussten Stühle gestellt werden,

so viele Menschen waren gekommen, um die Aufführung von Beethovens großer Messe in C-Dur op. 86,

eingerahmt von der Violinenromanze in G-Dur op. 40 und der Romanze in F-Dur op. 50 zu lauschen. Der Kammerchor und das Kammerorchester hatten sich dazu von vier hervorragenden Solisten Unterstützung

geholt: Der Sopranistin Dorothee Risse-Fries, der Mezzosopranistin Dorottya Láng, dem Tenor Aram Mikaelyan 

und dem Bass Bruno Vargas, Mitglieder des NDR Chors und ehemalige Mitglieder desOpernstudios der

Hamburgischen Staatsoper. 

 

Das Werk im Mittelpunkt, Beethovens C-Dur-Messe von 1807, wird selten aufgeführt, da sie im Angesicht der 

großen und viel opulenteren „Missa solemnis“ aus dem Jahr 1823 an die Seite gedrängt wurde. Unter der

musikalischen Leitung des in Wedel so beliebten Valeri Krivoborodov und mit der Orchestereinstudierung des 

hoch geschätzten Soloviolonisten Stefan Czermak gelang es dem Chor, dem Orchester und den Solisten all die variationsreichen Schönheiten von Beethovens weitgehend unbekannter Messe in den Himmel des Tonnengewölbes der Marienkirche zu heben. Beethoven hatte sich bei seiner Komposition die lateinischen Texte sorgfältig übersetzen lassen, um genau den Stimmungen der einzelnen Textpassagen entsprechen und diese wiedergeben zu können. Genau diese verschiedenen Stimmungen gaben Chor, Orchester und Solisten 

empathisch wieder. Es war ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten unter der temperamentvollen Führung des 

Dirigenten Krivoborodov. Ganz besonders erwähnenswert ist der Solist mit der Violine, Orchesterleiter Czermak, mit einer herausragenden Glanzleistung in den beiden Violinen-Sinfonien und der sagenhaften Fleißarbeit, die das gesamte Orchester mit ihm teilte.

 

Nach einem eindrucksvollem Konzert nahmen Stefan Czermak (Mitte links), Solovioline und Orchestereinstudierung, und Dirigent Valeri Krivoborodov (Mitte rechts) sowie der Wedeler Kammerchor und das Kammerorchester Wedel den tosenden Applaus eines begeisterten Publikums in der voll besetzten katholischen Kirche entgegen. Foto: Ballin

 


 

Konzertkritik 

Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Mai 2018

von shz.de

 

Mit Familie Mozart in den Klassikhimmel 

Große Resonanz bei Kammerkonzert 

 

Wedel | Drei Generationen Mozart im Vergleich zu erleben – spannend und ungeheuer interessant. Die Gelegenheit dazu bot der Förderverein Kammerchor und Kammerorchester Wedel in einem Benefizkonzert am Wahlsonntag-Nachmittag im Barlach-Saal mit idyllischem Ausblick in den naturnah gestalteten Innenhof der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule. Dafür, dass die vielen Besucher nicht draußen die warmen Sonnenstrahlen genießen konnten, entschädigte das Können vier genialer Musiker auf der Bühne: Die schöne Viktoria Lakissova im mintgrünen schimmernden Abendkleid am Flügel, ganz im dezenten Schwarz Stefan Czermak mit seiner Violine, Mark Heinzel mit der Bratsche und der von vielen verehrte und meist nur herzlich mit Vornamen genannte Valeri Krivoborodov mit seinem Violoncello.

 

Das Konzert begann mit dem Klaviertrio in A-Dur von Vater Leopold Mozart, viel schwerfälliger und von seinem damaligem Beruf als Vize-Hofkapellmeister mit höfischer Starre diktiert, als die leichten, himmlischen Kompositio-nen seines genialen Sohnes Wolfgang Amadeus, den er mit aller Kraft sein Leben lang zu fördern suchte.

 

Musiker heben Zuhörer in höchste Sphären 

Ganz anders dagegen das Klavierquartett g-moll op. 1 von Franz Xaver Mozart, seinem Sohn, der seinen berühmten Vater gar nicht mehr bewusst kennen gelernt hat, ihm aber anfangs sehr nacheiferte, um dann resigniert nur noch dessen Nachlass zu verwalten, da es ihm nicht gelang, aus dem großen Schatten des Musikergenies herauszutreten und seine eigene Identität zu finden. Das Klavierquartett soll Franz Xaver schon im zarten Alter von zehn bis 15 Jahren komponiert haben (op. 1!), es ist wunderbar melodiös und enthält die Mozart-typischen schnellen Läufe des Klaviers und der Streichinstrumente. Nach der Pause hoben die Musiker mit dem Klaviertrio in Es-Dur und dem Klaviertrio in G-Dur die Zuhörerinnen und Zuhörer in die höchsten Sphären des Mozart-Himmels: Beides späte, sehr gereifte Werke von Wolfgang Amadeus.